Nachlese zum Internationalen Kongress „Laurentius von Brindisi“ vom 7. bis 9. November 2019

In Zusammenarbeit mit den Kapuziner-Provinzen von Österreich-Südtirol, Deutschlands und der Schweiz veranstaltete der Fachbereich Theologie der Spiritualität vom 7. bis 9. November einen Internationalen Kongress anlässlich des 400. Todestags des Kapuziners und Kirchenlehrers Laurentius von Brindisi (1559-1619).
Der Kongress wurde eröffnet mit einer hl. Messe in der Wiener Kapuzinerkirche, der Provinzial Erich Geir OFMCap als Hauptzelebrant vorstand. In seiner Predigt betonte dieser insbesondere das Vorbild des Laurentius für die Evangelisierung, die auch heute eine gute Bildung und mutige und von Herzen heraus fühlende Verkünder erfordere.
Der nachfolgende Eröffnungsvortrag von Br. Niklaus Kuster OFMCap, selbst Verfasser einer Biographie über den Heiligen, zeichnete ein umfassendes Lebensbild, welches unter den drei Stichworten „begabt, gefordert, begrenzt“ die facettenreiche Persönlichkeit des Laurentius beleuchtete, bevor der Abend mit einem Imbiss im Kapuzinerkloster ausklingen durfte.  

Der zweite Tag war durch eine große Themenvielfalt gekennzeichnet. So verdeutlichte Univ.-Prof. Thomas Prügl den historischen Kontext des Laurentius in Wien und sprach sich dabei für eine differenziertere Sicht auf die katholische Reform aus, als dies oftmals der Begriff „Gegenreformation“ impliziere.

Prof. Gianluigi Pasquale OFMCap aus Venedig untersuchte in seinem Beitrag die Theologie des Kirchenlehrers auf ihre Bedeutung für den Begriff der „Heilsgeschichte“ und hob dabei besonders dessen christozentrische Geschichtsdarstellung hervor.
Der Vortrag von Jan Bernd Elpert OFMCap analysierte anhand des Predigtwerks des Laurentius das Menschenbild des Kapuziners und seine philosophischen Implikationen. Im Anschluss an die philosophische Tradition der Renaissance denke Laurentius den Menschen als „Mikrokosmos“ und gleichzeitig als Paradox, dessen Auflösung in der Hinwendung zu Gott geschehen könne.  

Der Nachmittag war geprägt von drei verschiedenen Workshops:
Da Laurentius besonders durch seine hervorragende Kenntnis der Heiligen Schrift in ihren Originalsprachen hervorsticht, untersuchte Univ.-Prof. Ludger Schwienhorst-Schönberger mit den Teilnehmern des Workshops die Exegese des Buches Genesis anhand des Kommentars Explanatio in Genesim.
Univ.-Prof. Marianne Schlosser widmete sich in ihrem Workshop der Bedeutung der Eucharistie im Werk des Kapuziners, der nicht nur aufgrund der konfessionellen Kontroversen breiter Raum gegeben wird, sondern die auch einen persönlichen Schwerpunkt der Spiritualität des Kirchenlehrers bildet.
Einer spannenden Frage stellte sich auch Prof. Leonhard Lehmann OFMCap in seinem Workshop: Wie ist es zu verstehen, dass Franziskus von Assisi im Jahr 1219 ein friedvolles und um Verständnis bemühtes Treffen mit dem Sultan hatte und Laurentius in der Nachfolge des Franziskus 1601 in der Schlacht um Stuhlweißenburg (Ungarn) als Feldkaplan gegen die Türken kämpfte? Die einzelnen Früchte der Diskussionen in den Workshops wurden anschließend im Plenum, das von Paul Zahner OFM moderiert wurde, lebhaft ausgetauscht.  

Der letzte Tag des Kongresses führte die Teilnehmer zunächst in das süditalienische Brindisi. Alfredo di Napoli OFMCap, selbst Kapuziner dort, berichtete über die Wirkungsgeschichte des Laurentius in seiner Heimatstadt, seine kontinuierliche Verehrung, aber auch über die wissenschaftliche Beschäftigung mit dessen Leben und Werk.
Prof. Leonhard Lehmann OFMCap
zeichnete anschließend Grundlinien des Laurentius als Provinzial und Generalminister der Kapuziner, der sich selbst nicht schonte, aber auch anderen viel abverlangen konnte.
Abschließend würdigte Peter Becker Laurentius in seiner Aktualität als Doctor apostolicus, indem er anhand ausgewählter Predigten des Heiligen zu den Festen der Apostel notwendige Aspekte für die Evangelisierung heute herausarbeitete.

Der Kongress wurde beschlossen mit einer hl. Messe im Stephansdom, die von Bischof em. Egon Kapellari gefeiert wurde.  

Ein besonderer Dank gilt der organisatorischen Begleitung des Kongresses durch Frau Tanzer und Frau Köder, die durch ihren Einsatz einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sicherstellten.